Call für Papers: Ethik der Integration

Schwerpunkt in der Zeitschrift für Praktische Philosophie:

Als Reaktion auf die weltweiten Migrationsbewegungen und die sich anschließende öffentliche Debatte hat sich in den letzten Jahren innerhalb der Philosophie eine lebhafte Diskussion migrationsethischer Fragen etabliert. Ein großer Teil dieser Debatte kreist um Fragen der Legitimität geschlossener Grenzen bzw. eines Menschenrechtes auf Migration. Angesichts der Dringlichkeit ist diese Konzentration auf Fragen der Migration sicherlich verständlich, und doch drohen dabei die ebenso wichtigen Fragen einer Ethik der Integration auf der Strecke zu bleiben. Zu diesen Fragen gehören etwa die folgenden: Besteht für MigrantInnen eine Pflicht, sich zu integrieren? Korrespondieren dieser Pflicht auch Rechte auf Integration? Welche Rechte und Pflichten hat die integrierende Gesellschaft? Welche Maßstäbe gelten für eine gelingende Integration? Wie sind sie begründbar? Was sind die Ziele von Integration? Wie viel Anpassung kann man von den sich Integrierenden verlangen? Und wie viel Veränderung ist andererseits den integrierenden Gesellschaften zuzumuten?

Dass derartige Fragen in der aktuellen Debatte noch zu kurz kommen, ist aus mindestens drei Gründen misslich: Zum ersten ist es unwahrscheinlich, dass sich alle migrationsethischen Fragen ohne Rekurs auf Überlegungen zur Integration beantworten lassen. Dies darum, weil auch viele Befürworter offener Grenzen ein Recht auf Migration nicht als absolutes verstanden wissen wollen, sondern als eines, das, zumindest in einigen Fällen, Einschränkungen erfahren darf. Solche Einschränkungen aber könnten sich unter anderem aus den Komplikationen ergeben, die die Migration zumindest potentiell auch mit sich bringt. Es liegt darum nahe, dass man sich mit den Fragen einer Integration von MigrantInnen beschäftigen muss, um auf diese Weise eine genauere Vorstellung eines Rechts auf Migration haben zu können. Zweitens gilt, dass sich integrationsethische Fragen stellen, sobald man zugunsten eines Rechts auf Migration argumentiert. Dies, weil es auch in der zunehmend globalisierten Welt noch immer so ist, dass die Menschen keiner weltweit einheitlichen Lebensweise, keinem einheitlichen Glauben und keinen einheitlichen moralischen Vorstellungen folgen. Da zumindest ein Teil der Migration aber auch über die Grenzen hinweg stattfindet, die Unterschiede in der Lebensweise, im Glauben und in den Moralvorstellungen markieren, gilt, dass darüber nachgedacht werden muss, wie das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen aussehen soll. Genau solchen Fragen widmet sich die Ethik der Integration. Zuletzt ist es so, dass sich die genannten integrationsethischen Fragen auch gänzlich unabhängig von der Migrationsethik stellen – und zwar einfach aufgrund der Tatsache, dass Menschen migrieren und dabei kulturelle, religiöse und soziale Grenzen überwinden. Migration findet statt, gleich ob moralisch legitim oder nicht. Welche Chancen und Herausforderungen sich aufgrund solcher Bewegungen ergeben und wie ihnen begegnet werden kann und sollte, das ist das Thema einer Ethik der Integration.

Gesucht werden bisher unveröffentlichte Beiträge in deutscher Sprache mit einer Länge von 40.000 bis 60.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen), die in einem Schwerpunkt zur „Ethik der Integration“ in der Zeitschrift für praktische Philosophie veröffentlicht werden sollen.

Bitte senden Sie die Beiträge bis zum 15. September 2018 an die Gastherausgeber:

Jan.Friedrich@zlb.tu-chemnitz.de
Tobias.Gutmann@zlb.tu-chemnitz.de