Innovativer Denker oder bloßer Rezipient? Zur Bedeutung Joseph Höffners

Joseph Kardinal Höffner gilt als einer der prägenden Vertreter der Christlichen Gesellschaftslehre nach dem Zweiten Weltkrieg. Sein Beitrag zur Entwicklung des Faches ist jedoch umstritten, wie zwei aktuelle Publikationen zeigen.

In der Reihe „Kirche und Gesellschaft“ würdigt Ursula Nothelle-Wildfeuer Höffner als Vordenker und Wegbereiter des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seiner Vorarbeit verdanke das Konzil, insbesondere die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, zentrale sozialethische Aussagen.

Dem widerspricht Jonas Hagedorn in einem Beitrag für das Oswald von Nell-Breuning-Institut. Hagedorns Ansicht nach rezipierte Höffner lediglich Inhalte, die bereits in den 1920er Jahren Gegenstand theologischer Diskussionen waren. Überdies hätten seine Arbeiten das Konzil kaum beeinflusst. Ausschlaggebend seien hier die französische Nouvelle Théologie und das Wirken Karl Rahners gewesen. Zur weiteren Entwicklung sozialethischen Denkens habe Höffner ebenfalls wenig Neues beigetragen, anders als etwa die lateinamerikanisch geprägte Befreiungstheologie.

Die vollständigen Texte sind über die Websites der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (Nothelle-Wildfeuer) respektive des Oswald von Nell-Breuning Instituts (Hagedorn) zugänglich.